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Der österreichische Politikwissenschaftler, Journalist und Aktivist Alexander Behr veröffentlichte 2022 im oekom-Verlag das Buch „Globale Solidarität. Wie wir die imperiale Lebensweise überwinden und die sozial-ökonomische Transformation umsetzen.“ (20,00 €)

Dieser Titel spricht damit drei Aspekte an, die perspektivisch denkende Umweltaktivist*innen aktuell umtreibt. Es ist ein wertvoller Beitrag zur Strategiedebatte angesichts der begonnenen globalen Umweltkatastrophe und des Versagens der Wirtschaft und der Politik.

Die Sprache des Buchs ist verständlich gehalten, um die Zielgruppe zu erreichen. Und es ist auch spannend, wenn es die vielfältigen Erfahrungen des Autors als Aktivist in verschiedenen emanzipatorischen Gruppen wiedergibt. Alexander Behr wünscht sich, dass diese Gruppen sich zu einer breiten ökologischen und sozialen Massenbewegung entwickeln, die die notwendige „Transformation“ gegen das vorherrschende System schließlich durchsetzt.

Ausgangspunkt ist zunächst die „imperiale Lebensweise“ in den entwickelten Ländern. Sie existiert auf Grundlage der kolonialen bzw. neokolonialen Ausbeutung der Rohstoffe und der Bevölkerungsmehrheit auf unserem Planeten. Der SUV symbolisiert die zerstörerische und ungerechte Weltordnung, mit den Rohstoffen Kupfer, Platin, Lithium und Kobalt aus dem globalen Süden, mit seiner Feinstaubbelastung und Klimazerstörung, seiner Platzverschwendung in unseren Städten und dem „meist patriarchalen Überlegenheitswahn“.

Am Beispiel des rohstoffreichen Kongo, seiner Ausbeutung und der Unterdrückung des Freiheitskampfes Patrice Emery Lumumbas veranschaulicht das Buch, mit welcher Gewalt die Entstehung der imperialen Lebensweise der reicheren Länder Europas der Gegenwart verbunden ist, und dass die mächtigen Konzerne und Banken davon am meisten profitieren.

Dieser imperialen Lebensweise kann man sich nicht individuell konsequent entziehen. Aber wir können und müssen sie uns bewusst machen. Im Buch findet man ermutigende Beispiele aus dem ländlichen Raum, wo „globale Solidarität“ heute bereits modellhaft selbstverwaltet, ökologisch und sozial progressiv gelebt wird (Via Campesina, Longo Mai und andere).
Mit der Gegenwart setzen sich die Analysen über die Rolle der Werbung, der Medien, der „guten“ Stiftungen, des Green New Deals der EU, des Lieferkettengesetzes auseinander -alles sehr aktuell und kompakt auf den Punkt gebracht.
Dabei zerpflückt Alexander Behr die vielen Versprechungen und Illusionen der kapitalistischen Wirtschaftsweise und lässt keinen Zweifel an ihrer Überholtheit. Wachstum und Naturzerstörung können nicht entkoppelt werden, Ökologie und diese Ökonomie sind unvereinbar. Buch Globale Solidarität

Was ist also zu tun?
Behr befürwortet zu Recht eine hohe Besteuerung von Gewinnen, Vermögen und Erbschaften. Großkonzerne sollen vergesellschaftet werden. Eine vergesellschaftete Infrastruktur solle angestrebt werden. Die vielen emanzipatorischen Bewegungen mit diesen Zielen sollen mehr kooperieren, „bis sich die Kräfteverhältnisse grundlegend ändern.“

Hier sind kritische Einwände angebracht: Hat nicht die Geschichte gelehrt, dass Reformen die Herrschaftsverhältnisse entweder nur unwesentlich verändert und notfalls gewaltsam unterdrückt wurden?

Die Auseinandersetzung mit der Geschichte der Arbeiterbewegung führt Behr in einem Kapitel „Falsche Alternativen“, und er führt sie oberflächlich. Im Vordergrund steht für ihn das letztliche Scheitern revolutionärer Bewegungen, ob Sozialdemokratie, Anarchismus oder Kommunismus. Er bezeichnet sie als "Erlösungsutopien“, in deren Namen sogar Menschheitsverbrechen begangen wurden. Aber muss das die Schlussfolgerung sein, die man für heute aus der Geschichte ziehen kann?

Der Widerspruch von Kapital und Arbeit ist heute noch der umfassende, zu lösende Hauptwiderspruch unserer Epoche. Die Probleme Rassismus, Sexismus, Neokolonialismus, Umweltzerstörung, Kriege werden von ihm heute entweder maßgeblich bedingt und gefördert. Ihn nur als einen von vielen Widersprüchen zu betrachten, ist im postmodernen Denken leider verbreitet und stiftet mehr Verwirrung als Klarheit.

Wenn die heute internationalisierte Arbeiterbewegung, mit den vorhandenen wissenschaftlichen und technologischen Kenntnissen, zur gesellschaftsverändernden Hauptkraft in ihren Ländern würde, könnte sie eine wirklich demokratische, gerechtere und ökologische Wirtschaftsweise ohne Profit- und Konkurrenzzwang einführen, die dem Gemeinwohl dient.

Fazit: Die kritische Lektüre dieses Buch kann die Strategiedebatte der Umwelt- und Klimagerechtigkeitsbewegung voranbringen!

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