Am Samstagmorgen, 21.2. bewegte sich ein Demonstrationszug mit über 200 Umweltschützern durch die Lübecker Innenstadt, der lautstark forderte, dass das Bartelsholz komplett erhalten bleibt.

Der Netzbetreiber TenneT will eine 75m breite Schneise für seine Hochspannungsmasten durch diesen naturbelassenen Wald schlagen. Das Bündnis "Lübecker Stadtwald retten" mit 17 Organisationen, u.a. BUND, Greenpeace, NABU, #Gemeinsam buddeln, Naturfreigeist, Courage, Omas for future und der Umweltgewerkschaftsgruppe mobilisiert seit vielen Monaten gegen den drohenden Kahlschlag.
Auf der Zwischenkundgebung hielt ein Vertreter der Umweltgewerkschaft den folgenden kämpferischen Beitrag der Gruppe, der mehrfach von Beifall unterbrochen wurde:
Den Lübecker Stadtwald retten!
Der Netzbetreiber TenneT plant seit längerem, 100 000 m² unseres Bartelsholzes für seine 380 KV-Stromleitung zu zerstören. Das nehmen wir nicht hin.
Für den Klimaschutz brauchen wir erneuerbare Energien, aber dann ist es absurd, wenn für deren Transport Wald vernichtet werden soll. Wald hat unschätzbare Bedeutung für die Speicherung von Kohlenstoff, für die Produktion von Sauerstoff, für die Artenvielfalt. In Schleswig-Holstein sind nur noch 11,5 % der Fläche bewaldet, Tendenz fallend.
Wir können auf keinen Hektar Wald mehr verzichten! Im Gegenteil, gerade in Schleswig-Holstein muss massiv aufgeforstet werden. Das Lübecker Waldkonzept gibt dafür eine hervorragende Orientierung. Daher lehnen wir auch den faulen Kompromiss einer Überspannung des Bartelsholzes ab, denn dabei sollen mindestens 50 000 m² Wald vernichtet werden.
Welche Verwüstungen im Wald auch bei einer Überspannung angerichtet werden, können wir momentan in Ratekau und Bad Schwartau besichtigen.
An TenneT ist die Bundesregierung inzwischen mit 25,1% beteiligt. Was soll dann das Gerede der Bundesregierung, sie würde sich für Klimaschutz einsetzen?
Der Erhalt der bis zu 160 Jahre alten Bäume ist kostenloser Arten- und Klimaschutz!
Unter dem früheren Wirtschaftsminister Habeck wurde das Netzausbaubeschleunigungsgesetz beschlossen, worauf TenneT sich jetzt beruft. Sie haben es nicht einmal nötig, die vom Bündnis vorgeschlagene Alternativroute ernsthaft zu prüfen. Für diesen Konzern zählt nur die Wirtschaftlichkeit und dass er möglichst schnell seine Stromtrassen in den Süden verlegen kann. Nicht mit uns! Wir setzen uns ein für eine weitgehend regionale Stromerzeugung und dass die von Habeck abgeschaffte Umweltverträglichkeitsprüfung wieder eingeführt wird.
Nach Berechnungen des World Resources Institute wurden seit dem Jahr 2000 weltweit 459 Millionen Hektar Wald vernichtet, das sind 12% des damaligen Waldbestandes. Das geht so weiter. Inzwischen gibt der Amazonas-Regenwald mehr CO-2 ab, als er bindet. Eine Palmöl- oder Soja-Plantage bringt eben erheblich mehr Gewinn ein als ein Urwald. Der ist zwar für das Überleben der Menschheit existenziell wichtig, aber bringt für Profiteure keinen Gewinn.
Auf der letzten Weltklimakonferenz in Brasilien lernte die Delegation der Umweltgewerkschaft Gewerkschafterinnen und Gewerkschafter kennen, die sich für den Erhalt des Regenwaldes einsetzen. In einer Verpflichtungserklärung von 8 Gewerkschaftsdachverbänden heißt es:
„Wir Arbeitnehmer*innen, Gewerkschaftsführer*innen.. bekräftigen, dass unser Engagement dem Leben, der menschenwürdigen Arbeit und der nicht verhandelbaren Verteidigung des Amazonas und seiner Bevölkerung gilt…. Der Amazonas ist ein lebendiger Körper, pulsierend in seinen Gewässern, Bäumen, Völkern, Frauen und Männern, die den Wald zu ihrem Arbeitsort machen.“
Gemeinsam mit weltweiten Organisationen organisiert die Umweltgewerkschaft in diesem Jahr einen internationalen Umweltratschlag. Wir meinen, unsere Umwelt braucht den gleichen Schutz wie Rechte von Arbeiterinnen und Arbeitern.
Auch in Deutschland wächst der Widerstand gegen Vernichtung von Wald, so in Oldenburg und Bremen. Wir erinnern uns noch gut, dass wir vor 10 Jahren, nämlich 2016, in einem Bürgerentscheid 48 Winterlinden an der Untertrave vor der Vernichtung gerettet haben.
Über 6000 Mitbürgerinnen und Mitbürger haben sich schon in einer Petition und Hunderte auf Waldspaziergängen für den Erhalt des Bartelsholzes eingesetzt. Lasst uns auf diesem Weg gemeinsam weitergehen!
Das Bartelsholz muss vollständig erhalten bleiben!

